Was macht ein ITler in der DZ BANK Gruppe? Kapitel 3: DevOps – eine Herausforderung für die deutsche Arbeitskultur? Erkenntnisse aus der DZ BANK.

26. Januar 2021 Perspektive, Zukunft, Stabilität

Verschleppte Projekte, versäumte Deadlines, mangelhafte Produktqualität – das sind die klassischen Herausforderungen, mit denen sich IT-Abteilungen in deutschen Unternehmen täglich auseinandersetzen. Mit der Einführung von DevOps sollen diese Herausforderungen der Geschichte angehören. Aber was ist DevOps überhaupt? Warum bedeutet DevOps nicht nur Prozessverbesserung, sondern auch Kulturwandel mit neuen Prinzipien – und wie geht man in der DZ BANK damit um? DevOps-Evangelist Dr. Julius von Rosen und Prozessmanagerin Alice Domes berichten.

Redaktion: Julius, DevOps ist ein Kunstbegriff, der sich aus „Dev“, also Development, Entwicklung, und „Ops“, Operations, sprich Vorgänge, zusammensetzt. Was bedeutet er übersetzt?

Julius: Bei DevOps geht es darum, die Trennung zwischen Development und Operations aufzubrechen, zugunsten eines gemeinsamen Verständnisses für den Service. Nur wenn Dev weiß, was Ops braucht und andersherum, kann ein Service oder ein Produkt wirklich gut weiterentwickelt und betrieben werden. Deshalb wird DevOps auch als liegende 8 dargestellt - wie ein kontinuierlicher Fluss. Diese neue Form der Zusammenarbeit ist auch gleichzeitig die größte Herausforderung. Wir organisieren unsere Arbeit hier in der DZ BANK daher seit Einführung vor über einem Jahr auch immer weiter um.

Redaktion: Was heißt das?

Alice: Wir optimieren unsere Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zum Deployment immer weiter. Die Wertschöpfungskette heißt ganz offiziell Requirement2Deploy, also von der Anforderung bis zur Produktivnahme. Dazu gehören die Prozesse Business-Requirements und Design, IT-Design und Build, Test-Management, Change Management und Release- und Deployment-Management. Ziel der Optimierung ist es, neue Anforderungen schneller, sicherer und hochwertiger umzusetzen und unseren beteiligten Mitarbeitern dafür die bestmögliche Unterstützung – gute Tools und Prozesse – zu liefern.

Redaktion: Welche persönlichen Erfahrungen habt ihr bzw. das Team bei der Umstellung bisher gemacht?

Julius: Nicht jeder war sofort begeistert, als wir über die Einführung von DevOps sprachen. Und es ist auch keine Veränderung, die von heute auf morgen stattfindet. Deshalb ist es uns wichtig, Schritt für Schritt voranzugehen, Mehrwert aufzuzeigen und Ängste zu nehmen. Wenn jemand etwas schon seit 10 Jahren in einer bestimmten Art gemacht hat, kann man schon die Frage stellen, warum es auf einmal anders gemacht werden soll. Es war doch die letzten 10 Jahre auch gut oder hat zumindest gereicht? Gerade wenn ich etwas schon ewig so mache, womöglich auch noch mit den gleichen Kollegen, fällt es schwer, sich davon zu lösen und nicht wieder in die alten Muster zu verfallen. Reorganisation ist dabei hilfreich. Neue Kollegen, neue Zuordnungen und die Chance, sich als Team zu hinterfragen: Wie wollen wir eigentlich zusammenarbeiten?

Redaktion: Alice, was begeistert dich an der Einführung von DevOps bisher am meisten?

Alice: Es geht jetzt vieles schneller. Wo früher mühsam alles zusammengebaut werden musste und der Fortschritt von vielen Einzelnen abhing, bekommt der Entwickler jetzt innerhalb von wenigen Minuten Feedback zu seinem Code. Gibt es Sicherheitslücken? Wurden alle Style-Vorgaben eingehalten? Passt der Code in die Anwendung? Manche Fragen davon konnten wir früher gar nicht beantworten. Oder nur mit sehr viel Aufwand.

Redaktion: Wie stellt ihr den notwendigen Lernprozess sicher? Teilt ihr regelmäßig Success-Storys?

Alice: Success Storys teilen ist einfach, toll und macht Spaß. Du bist der Held, alle klopfen dir auf die Schulter. Erfolg hat jeder gern. Wir teilen aber auch Failure Storys. Die zu teilen, ist nicht so einfach, nicht toll. Spaß macht das in einer „Nicht-Fehler-Kultur“ auch nicht. Schließlich erzählt man ja, was falsch gelaufen ist. Dabei ist es eigentlich erstaunlich, denn jeder macht irgendwie Fehler. That’s life. Nur wird viel zu selten darüber gesprochen. Aber wenn du es dann tust, mit dem Ziel, die anderen an den eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen, um daran wachsen zu können, kommen hinterher auch Kollegen auf dich zu und klopfen dir auf die Schulter. Und auf einmal macht es doch Spaß. Und wenn du dich selbst öffnest, öffnen sich auch andere. Und diese neue Offenheit führt auch bei uns inzwischen zu viel besseren und ehrlicheren Gesprächen.

Redaktion: Für DevOps braucht es also eine offene Fehlerkultur. Darin sind wir Deutschen ja bekanntlich nicht so richtig gut …

Julius: Genau, wir haben diesen Hang zum Perfektionismus. Erst wenn die 120-Prozent-Lösung steht, wollen wir sie jemandem zeigen. Versus neu: Wir machen mal, holen uns Feedback, werden kontinuierlich besser und arbeiten nicht am eigentlichen Bedarf der Kunden vorbei. Außerdem haben wir den Hang zum Expertentum: Ich bin Experte für dies, du bist Experte für das, ich bin als Architekt, Projektleiter, Transition-Manager usw. unterwegs: Warum machst du dir jetzt darüber Gedanken? Das ist doch mein Job! Versus neu: Ich habe meinen Blickwinkel, du hast deinen Blickwinkel. Aber wir sind in einem Team gemeinsam dafür verantwortlich, dass am Ende ein richtig gutes Ergebnis rauskommt. Die Aufgaben, die früher einzelnen Rollen zugeordnet waren, werden ja größtenteils auch in einem DevOps-Umfeld gemacht – aber eben vom Team und nicht von dem, der eine Rolle zugewiesen bekommen hat. Im Team werden die Aufgaben natürlich auch verteilt, aber eben nach Erfahrung, Präferenz, Zeit oder was auch immer, und zwar gemeinsam.

Redaktion: Und wir neigen zur Bürokratie …

Alice: Man könnte auch sagen: Gewissenhafte Dokumentation gehört fast zu unserer Lebensart. Dazu kommen in unserem regulierten Bankenumfeld gewisse Mindestanforderungen an Dokumentation, die wir erfüllen müssen. Die Kunst liegt darin, diese Vorgaben so zu gestalten, dass sie eben den Teams trotz allem genügend Spielraum geben.

Redaktion: Was macht ihr in der DZ BANK, um euch trotzdem an diese ungewohnte, aber notwendige DevOps-Perspektive heranzuarbeiten?

Julius: Wir erhöhen Sichtbarkeit und Transparenz: Wird ein Task schon bearbeitet? Wie hängt er mit einer Anforderung zusammen? Jeder ist auskunftsfähig. Und arbeiten an einfacheren Workflows: Bürokratie kann man schon durch entsprechende Workflows enorm reduzieren. Und wenn der Workflow dann noch für 80 Prozent der Fälle gut funktioniert, super. Außerdem automatisieren wir Routineaufgaben. Die Idee der Automatisierung im DevOps-Sinne ist es, „Low Value"-Aufgaben zu automatisieren, um mehr Zeit für „High Value"-Aufgaben zu haben – und nicht wie manchmal angenommen, um noch mehr zu machen. Damit finden wir mehr Zeit zum Austausch und zusammen als Team mehr Zeit für „High Value“-Tasks. Und das macht einfach viel mehr Spaß. Als Team zu merken, wie die Leistungsfähigkeit steigt, ist ein tolles Gefühl. Feedback, Retros und gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, helfen jedem einzelnen dabei, zu wachsen und besser zu werden – wovon am Ende alle profitieren.

Redaktion: Vielen Dank für den spannenden Blick in eure Arbeit!

 

Dieses Interview ist Teil der Serie "Was macht ein It'ler in der DZ BANK Gruppe?"

Wie vielfältig die Rollen und Aufgaben als ITler in der DZ BANK Gruppe sind, erfahren Sie auch im ersten und zweiten Teil unserer kleinen IT-Serie:

Kapitel 2: Stabilität und Weiterentwicklung sind kein Widerspruch – die IT in der R+V Versicherung

Kapitel 1: Mission „Nachhaltigkeit“ bei Union Investment

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